"Freude an einem Hund haben Sie erst, wenn Sie nicht versuchen, aus ihm einen halben Menschen zu machen. Ziehen Sie statt dessen doch einmal die Möglichkeit in Betracht, selbst zu einem halben Hund zu werden." (Edward Hoagland)

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Der jagende Hund (Teil 2)
 
Wie sollte sich der Hundehalter verhalten, wenn der jagende Hund zurückkommt?
Viele Hundehalter kennen mit Sicherheit den Ratschlag, sich auf jeden Fall zu freuen und gegebenenfalls zu belohnen, wenn der Hund vom Jagdausflug zurückkommt.

Ich differenziere hier nochmal deutlich. Kam der Hund, nach einer kurzen Rennsequenz wieder zum Halter zurück oder war er vielleicht für mehrere Stunden verschwunden? Meiner Meinung nach, macht diese Tatsache einen riesigen Unterschied. Kommt der Hund, innerhalb weniger Minuten zurück, ist er noch vollgepumpt mit Dopamin und Adrenalin. Diese selbstbelohnenden, körpereigenen Rauschmittel sorgen dafür, dass der Hund im Falle eines Misserfolges nicht aufgibt. Dies dient letztlich der Überlebenssicherung. Ich würde den Hund in dieser Situation kommentarlos anleinen und den Spaziergang fortsetzen. Besondere Aufmerksamkeit bekäme der Hund zu diesem Zeitpunkt von mir nicht und schon gar kein schmackhaftes Würstchen! Die Jagd war selbstbelohnend genug!

Verliert der Hund allerdings, nach der Hatz die Orientierung und irrt stundenlang umher, ist von diesem berauschenden Hormoncocktail letztlich nichts mehr vorhanden, wenn der Hund bei seinem Halter ankommt. Das Stresshormon Cortisol hat die berauschenden Hormone abgelöst. Sich in dieser Situation – wirklich – zu freuen erschließt sich mir durchaus. Mal abgesehen davon, dass der Halter überglücklich sein dürfte, seinen Hund wiederzuhaben. Hier darf natürlich echte Freude gezeigt werden!

Wer einen jagenden Hund zu Hause hat, dem kann ich nur empfehlen, seinen vierbeinigen Freund vorrübergehend beim Spaziergang an die Leine zu nehmen. Mit jedem Jagdausflug festigt sich sein Verhalten und seine Selbständigkeit. Allerdings reicht es nicht aus, den Hund für ein paar Wochen an der Schleppleine zu führen. Im Hundeschulalltag erlebt man häufig, dass Hundehalter nach ersten Jagderfahrungen ihrer Hunde, diese ständig an der Leine führen, in dem Glauben, das würde etwas bewirken. Würde man nach ein paar Wochen die Leine weglassen, ist alles wieder wie zuvor. Der Hund lernt allein durch das Gehen an der Leine nichts. In dieser Zeit ist Training angesagt. Der Hund muss im Gehorsam geschult und auf Bewegungsreize sensibilisiert werden. Ebenfalls muss die Respektsbeziehung zum Halter aufgebaut und gefestigt werden. Erst dann ist es möglich, dem Hund, Schritt für Schritt Freiheit zu gewähren.

Eure Erika (Co-Trainerin Von Tier zu Dir)

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