"Freude an einem Hund haben Sie erst, wenn Sie nicht versuchen, aus ihm einen halben Menschen zu machen. Ziehen Sie statt dessen doch einmal die Möglichkeit in Betracht, selbst zu einem halben Hund zu werden." (Edward Hoagland)
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Die Leine… das Ende der Freiheit

„Hach, mein Hund liebt es, frei herumzulaufen und zu toben. An der Leine gehen wir quasi nur, wenn es denn uuuunbedingt sein muss“, was übersetzt heißt: „So gut wie nie.“
Neulich erst meinte eine Junghundbesitzerin: „Mein Lottchen kommt sooooo brav zu mir zurück, wenn ich sie rufe. Drum geh ich meistens ohne Leine mit ihr.“
Dazu sei gesagt, Lottchen und ihr Frauchen machen das schon seit Welpenalter an. Damals, süße 9 Wochen alt, trollte Lottchen aufgrund der verringerten Geschwindigkeit den kurzen Beinchen geschuldet, brav hinter Frau Wegemann hinterher. Lottchen „genoss“ die vermeintliche Freiheit in vollen Zügen, gab Tempo und Richtung vor und Frau Wegemann folgte ihr glücklich strahlend.
Dass das kleine Lottchen bis dato weit von jeder Leinenführigkeit entfernt ist, erschließt sich mit Sicherheit von selbst. Wie sollte das auch funktionieren, hat frau Wegemann doch bisher tunlichst vermieden, ihrem Hündchen die Freiheit zu nehmen. Verhasst Leine aber auch…
Frau Wegemann belegte daher dann einen Leinenführigkeitskurs. Lottchen begriff sehr schnell, dass sie sich nicht in die Leine hängen soll – zumindest bei uns Trainern. Frau Wegemanns Erfolge waren da etwas geringer – was schon daran lag, dass sie sich innerlich völlig sperrte, Regeln ihrem Hund gegenüber durchzusetzen. „Ach, ich finde das so unfair, wenn sie an der Leine laufen muss. Außerdem ist das schon nervig, wenn ich ihr jedes Mal erklären soll, dass sie nicht ziehen soll. Da lass ich sie doch lieber wieder frei laufen.“
Auch ausführliche Erklärungen, warum es kontraproduktiv ist, einen Hund schon von klein jegliche Freiheit zuzugestehen, konnten Frau Wegemann nicht überzeugen. „Ja ist doch nicht schlimm. Lottchen kommt ja immer zurück, wenn ich sie rufe. Das gewöhnt sie sich dann schon mal an und damit hab ich später keine Probleme mehr mit dem Rückruf.“ – Hundchen war damals 12 Wochen alt.
Wer jetzt glaubt, obige Aussage sei völlig frei erfunden, der irrt. Das ist Originaltext, den mir die Hundehalterin zukommen ließ, um meine Argumente zu entkräften. Tjaaaaaaaa…… Bei solch schlagkräftigen Aussagen wie diesen kann man nur den Kopf schütteln und muss sich ernsthaft Gedanken machen, ob das nun WIRKLICH und WIRKLICH wirklich ernst gemeint war. Es war ernst gemeint….
Inzwischen besuchte Frau Wegemann auch einen Rückrufkurs… und nahm Einzelstunden zur Leinenführigkeit…
Vielleicht hätte man all das vermeiden können, hätte man dem Hund nicht schon von Welpenbeinen an zugestanden, eigene Entscheidungen zu treffen. 
Eine Leine ist per se nichts Schlechtes und es sind auch noch keine Hunde an Depressionen eingegangen, weil sie an der Leine gehen mussten. Eine Leine kann und sollte als Verbindung zu meinem Hund gesehen werden. Schließlich empfindet man es doch auch nicht schlimm, ein Kind an die Hand zu nehmen und zu führen. Warum sehen wir das bei unseren Hunden völlig anders?

Leine

 

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