"Freude an einem Hund haben Sie erst, wenn Sie nicht versuchen, aus ihm einen halben Menschen zu machen. Ziehen Sie statt dessen doch einmal die Möglichkeit in Betracht, selbst zu einem halben Hund zu werden." (Edward Hoagland)

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Hundespielwiese – des einen Glück, des anderen Leid

Hundespielwiesen, Welpenspielgruppen, Spielstunden für Hunde – die Liste an Angeboten für Hundehalter könnte man durchaus erweitern. Alle haben eins gemeinsam: Des einen Glück, des anderen Leid.
Glück für den Hundehalter – Leid für den Hund. Warum? Das ist einfach erklärt.
Sehr vielen Hundehaltern geht im wahrsten Sinne das Herz auf und die Augen beginnen zu strahlen, wenn sie ihren Hund beim Toben mit Artgenossen sehen. Für sie ist es das höchste Glück, ein wahres Geschenk, das sie ihrem vierbeinigen Partner machen können: Freiheit, toben, spielen usw.
Dabei ist das, was hier stattfindet KEIN Glück, kein Geschenk für Hunde. Nein? Nein, wirklich nicht! Dazu sollte man sich das Lebewesen Hund einmal genauer ansehen, genauer betrachten, wie es in einem Hunderudel wirklich abläuft, ließe man dieses unbeeinflusst vom Menschen. In einem Hunderudel ist es VÖLLIG UNNORMAL, dass gerannt, getobt oder „gespielt“ wird. Das ist unsere menschliche Anschauung, jedoch nicht die eines Hundes.
In einem Hunderudel ist vorrangig EINES wichtig: Das ist RUHE! Was als erstes unterbunden wird – sofern ein souveräner Hund anwesend ist – ist wildes Gerenne und Toberei. So benimmt sich kein Hund. 
Ein Hund, der wild bellend durch die Gegend rennt, hat Stress. Gut nachzuvollziehen, wenn man sich selbst einmal in den Hund hineinversetzt – und das sollten wir Menschen viel öfter tun. Übertragen würde das nämlich bedeuten, dass ich als Mensch wild schreiend durch die Gegend laufe, Arme um mich werfend und sinnfrei vor mich hinbrüllend. Nichts anderes ist das nämlich im Grunde, was da stattfindet.
Hundespielwiesen oder auch hoch frequentierte Gassigebiete laden Hundehalter geradezu ein, dem Hund hier vermeintliche Freiheit bzw. Artgenossenkontakt zu geben. Weder Freiheit noch der Kontakt mit Artgenossen ist per se verwerflich. Jedoch muss ich mir als Hundehalter dazu vorab einige Gedanken machen.
Bleiben wir beim Beispiel Hundespielwiese bzw. hoch frequentierte Gassigebiete. Hier tummeln sich die „Tut-Nixe“ und „Der-Will-Nur-Spielen“. Auch der Satz: „Das machen die unter sich aus!“, gehört in diesen Zusammenhang.
Hundehalter kommt nun dort an, lässt seinen Hund von der Leine, der wie eine Rakete auf den / die anderen Hund/e zusteuert. Gelernt hat der Hund schon mal eines: Sobald die Leine ab ist, kann ich losfetzen. Das zweite, was hier passiert, ist, dass er sich – hündisch gesehen – absolut unmöglich benimmt. Eine Begrüßung (die im Übrigen hier ohnehin nicht als solche gesehen werden kann) läuft nicht so ab. Der Hund verlernt unter Umständen, wie man sich überhaupt hündisch richtig begegnet, was durchaus viele Probleme im Alltag nach sich ziehen kann. Hunde „brettern“ nicht mit 60km/h aufeinander zu. Das ist völlig respektlos!
Es beginnt ein wildes Gerenne, Gerangel und Getobe. Auch das ist – wie schon erwähnt – NICHT hündisch normal! Oft genug kommt es zu Mobbing, das von anwesenden Hundehaltern entweder nicht erkannt oder nicht unterbunden wird („Die machen das unter sich aus!“). Was lernt der Gemobbte? „Ich bekomme keine Hilfe / keine Unterstützung / keinen Schutz.“ Was lernt der Mobber? „Ich kann alles und jeden bedrängen / in den Boden rammen.“ Beides nicht gut!
Als wirklich kontraproduktiv ist zu sehen, wenn bei dieser Form von Sozialkontakt kein kompetenter und souveräner Hund anwesend ist. Was bitteschön soll mein Hund hier lernen? Einen richtigen Umgang miteinander bestimmt nicht.
Leider werden aber gerade solch souveränen Hunde oft genug aus diesen „Spielgruppen“ ausgeschlossen, weil sie als „Spaßbremsen“ gelten. Sie unterbinden nämlich dieses Gerenne sofort, weil eben nicht erwünscht in einem Rudel bzw. unter Hunden.
Bereits im Welpenalter schicken viele Hundehalter ihren Kleinen in Welpenspielgruppen. Gut gemeint, sicherlich. Aber nicht gut gemacht. Was sollen Welpen, die keine Ahnung vom Leben haben, von Welpen lernen, die ebenfalls keine Ahnung vom Leben haben, lernen? Richtig: nichts! Und genau das passiert hier. Sie lernen nichts. Und das ist noch der beste Fall. Oft genug erfahren die Welpen auch hier Mobbing und lernen daraus. Auch lernen sie hier am besten, wie man sich eigentlich NICHT anderen Hunden gegenüber benehmen sollte.
Warum es immer noch so vielen Menschen Freude bereitet, ihre Hunde solchen Kontakten auszusetzen, erschließt sich mir nicht. 
Artgenossenkontakt ist an sich nichts Schlechtes. Jedoch sollte ich mir als verantwortungsbewusster Hundehalter im Klaren darüber sein, was geschehen kann und dementsprechend sehr sorgfältig und wohl überlegt den Kontakt zulassen bzw. auswählen. Lassen Sie doch Ihren Welpen viel lieber Kontakt zu einem souveränen erwachsenen Hund haben. Das bringt ungemein viel Nutzen, wohingegen Welpenspielgruppen KEINEN Nutzen – weder für Sie als Welpenhalter, noch für ihren Welpen – hat.
Und vor allem, überdenken Sie die folgende Aussage doch einmal: „Der will nur spielen.“ Was will IHR Hund? Will er wirklich spielen?? Manche Hunde mögen tatsächlich keinen Sozialkontakt mit Artgenossen – so sieht das zumindest für uns Menschen aus, weil Hund nicht mit dem anderen „spielt“. Das genau sind sie, die souveränen Hunde! Und das sollte man anerkennen!
Hat mein Hund bei Hundebegegnungen Stress, kläfft und kann sich nicht beruhigen? Dann könnte es auch daran liegen, dass er einfach aufgrund von Erfahrungen auf Hundespielwiesen o.ä. gelernt hat, dass andere Hunde „doof“ sind. Muss ich mich dann unbedingt mit meinem Hund einer Gassigruppe anschließen? Oder sollte ich nicht eher das Bedürfnis meines Hundes respektieren und ihm meine Zeit ihm allein schenken? Wobei wird er wohl mehr Freude haben….

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